Vorsorge und Schutz bei Geschlechtskrankheiten

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Geschlechtskrankheiten sind Krankheiten, die durch Geschlechtsverkehr übertragen werden. Als Erreger kommen Bakterien, Viren, Pilze und Parasiten infrage. Sie sind leider nicht nur unangenehm oder “eklig”, sondern werden meistens auch gefährlich. Neben starken Schmerzen können sie auch Narben und Entstellungen verursachen, zur Unfruchtbarkeit führen, Frühgeburten hervorrufen und Krebs auslösen. Einige Geschlechtskrankheiten verlaufen sogar tödlich.

Das klingt furchtbar, lässt sich mit den richtigen Maßnahmen aber in den meisten Fällen vermeiden. Unsere Tipps weiter unten helfen dabei, das Risiko zu minimieren.

Zunächst aber ein kurzes Aufklärungsvideo – hier interviewt Lena Pfister Dr. Sticherling aus dem Uni-Klinikum Erlangen zum Thema sexuell übertragbare Krankheiten:

 

„Wie Sie sich vor Geschlechtskrankheiten richtig schützen“
(Tipps)

 

kondom1. Kondome verwenden

Sie verhindern beim Geschlechtsverkehr einen direkten Kontakt mit den Schleimhäuten des Partners und den Austausch von Körperflüssigkeiten. Damit entziehen sie den meisten Geschlechtskrankheiten die Grundlage für eine Übertragung. Sie sind der wirksamste Schutz überhaupt.


 

impfung2. Impfungen durchführen

Gegen einige Geschlechtskrankheiten gibt es Schutzimpfungen. Gerade die Impfung gegen Hepatitis B wird vom Bundesministerium für Gesundheit empfohlen. Welche Impfungen darüber hinaus sinnvoll sind, kann bei einem Termin beim Arzt geklärt werden.


 

intimrasur-vermeiden3. Intimrasur vermeiden

Die Intimrasur gehört bei vielen Menschen zum Pflichtprogramm bei der Hygiene. Allerdings wird dadurch auch die schützende Epidermis beschädigt, was zu einer erhöhten Anfälligkeit für Keime führt. Eine Alternative ist ein Trimmer, mit dem man die Schamhaare kürzen, “trimmen” kann. Als Ergebnis hat man zwar keine Haar-freie Haut wie bei einer Nassrasur, aber dafür bleibt die Schutzschicht der Haut intakt.


 

waschen-vorher-nachher4. Waschen vor und nach dem Geschlechtsverkehr

Heißes Wasser und Seife beseitigen viele Keime, was das Risiko einer Ansteckung weiter reduziert. Es lässt sich auch wunderbar (beispielsweise als Vorspiel) ritualisieren. Ein reinliches Gefühl steigert zudem den Spaß am Sex. Wichtig: das Waschen sollte so schnell wie möglich nach dem Geschlechtsverkehr geschehen, spätestens aber 2 Stunden nach dem Akt.


 

handtuch5. Keine Unterwäsche oder Handtücher teilen

Unterwäsche oder feuchte Handtücher sind ideale Träger für Keime. Daher sollte jeder Partner stets eigene Unterwäsche und ein eigenes Handtuch verwenden.

 


 

alkohol6. Hohes Risiko bei Alkohol und Drogen

Gerade wer im Übermaß Alkohol oder andere Drogen konsumiert, verzichtet häufig ganz auf Schutz beim Sex. Zudem leidet die körpereigene Abwehr stark und man wird anfälliger für alle Arten von Keimen. Leider gibt es keine Schnelltipps, um dieses Problem in den Griff zu bekommen. Einsichtige Betroffene sollten unbedingt einen Arzt oder eine Beratungsstelle aufsuchen.


 

arzt7. Nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr sofort zum Arzt

Ob Unvernunft oder Unfall: Nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr sollte eine ärztliche Untersuchung stattfinden. Risiken können so ausgeschlossen und Infektionen frühzeitig behandelt werden. Zwar haben die meisten Geschlechtskrankheiten eine Inkubationszeit von 2 Wochen bis 3 Monaten, doch je früher man den Arzt konsultiert, desto früher und effektiver kann gehandelt werden.


 

aufklaerung8. Aufklärung hilft

Besonders Jugendliche wissen oft kaum etwas über Geschlechtskrankheiten und haben im besten Fall etwas von HIV gehört. Es ist daher sehr wichtig, dass Eltern ihre Kinder über Gefahren und Risiken aufklären, damit ihnen klar ist, wovor sie sich eigentlich schützen sollen.

Nur dann besteht eine Chance, dass der Schutz auch angewandt wird. Weitere Infos bei Aidshilfe Dortmund.


 

Die üblichen Verdächtigen


Geschlechtskrankheiten werden durch den Kontakt der Schleimhäute oder den Austausch von Körperflüssigkeiten und (entgegen der Meinung der Werbeindustrie) normalerweise nicht über Keime auf der Toilette übertragen. Die folgende Übersicht stellt die häufigsten Krankheiten genauer vor.

Chlamydien

Beschreibung

Die Infektion mit Chlamydien befällt die Harnröhre und den unteren Teil der weiblichen Gebärmutter. Sie macht sich durch ein Brennen beim Wasserlassen und weißem oder eitrigem Ausfluss bemerkbar. Im weiteren Verlauf greift sie bei Frauen auf die Eileiter und bei Männern auf Hoden und Prostata über. Dort verursacht sie schmerzhafte Entzündungen. Unbehandelt kann eine Unfruchtbarkeit oder bei Frauen eine gefährliche Eileiterschwangerschaft die Folge sein.

Übertragung und Risiken

Die Krankheit wird bevorzugt durch ungeschützten Geschlechtsverkehr, Oralverkehr oder infiziertes Sexspielzeug übertragen. Neben den Geschlechtsorganen werden auch das Rektum und die Bindehaut der Augen durch direkten Kontakt mit den Erregern infiziert.

Tipps zur Vorbeugung

Da die Krankheit oft gar keine Symptome zeigt, bleibt sie meistens unerkannt. Ärzte empfehlen regelmäßige Tests mindestens einmal jährlich oder nach Sex mit einem neuen Partner. Bei Verdacht auf eine Chlamydien Infektion kann ein Heimtest erste Sicherheit bringen – hier gibt es weitere Infos zu Chlamydien Schnelltests für Männer und Frauen.

Tripper (Gonorrhoe)

Beschreibung

Wie bei Chlamydien handelt es sich beim Tripper um Bakterien, die sich in der Harnröhre oder dem Muttermund einnisten und sich von dort aus weiter verbreiten. Ein weißer oder eitriger Ausfluss zählt zusammen mit Schmerzen beim Urinieren zu den ersten Symptomen. Auch diese Krankheit kann im weiteren Verlauf zu Unfruchtbarkeit führen. Häufig geht sie sogar mit einer Chlamydieninfektion einher.

Übertragung und Risiken

Neben ungeschütztem Verkehr besteht ein besonders hohes Ansteckungsrisiko bei Kontakt von infiziertem Material mit den Geschlechtsorganen, dem Rektum und den Augen.

Tipps zur Vorbeugung

Tripper zeigt wesentlich häufiger Symptome als Chlamydien. Daher sollte bei Bekanntsein einer Infektion auf Geschlechtsverkehr komplett verzichtet und sofort ein Arzt aufgesucht werden.

Herpes Genitalis

Beschreibung

Die hochansteckenden Viren verursachen im Genitalbereich juckende Hautbläschen, die sich zu Geschwülsten auswachsen können. In seltenen Fällen können sie auch die Lunge und das Gehirn befallen und dort lebensbedrohliche Entzündungen auslösen. Die Viren bleiben auch nach ausgestandener Krankheit im Körper und können jederzeit erneut ausbrechen. Behandelt werden können leider nur die Symptome.

Übertragung und Risiken

Die Viren werden durch direkten Kontakt mit der Haut übertragen.

Tipps zur Vorbeugung

Ist das Virus aktiv, ist es hoch ansteckend. Das muss allerdings nicht unbedingt sichtbar sein, daher schützt wie immer am besten ein Kondom. Der umliegende Schambereich wird dadurch aber nicht geschützt.

HIV

Beschreibung

Das bekannte Virus führt nach einer mehrjährigen Ruhephase zu AIDS, der fortschreitenden Zerstörung des körpereigenen Immunsystems. Diese Krankheit verläuft tödlich, kann aber im Falle einer frühzeitigen Erkennung (im besten Fall) auf eine normale Lebenserwartung hinausgezögert werden. Die frühzeitige Erkennung spielt dabei eine große Rolle, daher sollte nach ungeschütztem Verkehr grundsätzlich immer ein Test durchgeführt werden.

Übertragung und Risiken

HIV wird durch Austausch von Körperflüssigkeiten insbesondere Blut, Sperma und Scheidensekret übertragen.

Tipps zur Vorbeugung

Da das Virus keine äußerlich sichtbaren Symptome zeigt, ist der einzig wirksame Schutz ein Kondom.

Hepatitis B

Beschreibung

Dieses Virus gibt es in den verschiedenen Unterarten. Die bekanntesten sind A, B, C, D und E. Alle haben gemein, dass sie die Leber angreifen und dort Entzündungen verursachen. Die Krankheit verläuft nicht immer gleich. Sie kann direkt tödlich enden, indem die Leber zerstört wird, oder nach einem halben Jahr einfach wieder abklingen. Sie kann aber auch chronisch werden. Hepatitis B ist dabei der gefährlichste Vertreter von allen, denn das Ansteckungsrisiko ist bei diesem Virus am höchsten. Im chronischen Verlauf kann es eine Leberzirrhose und Leberkrebs auslösen.

Übertragung und Risiken

Hepatitis B wird durch Körperflüssigkeiten wie beispielsweise Blut, Sperma und Scheidensekret übertragen.

Tipps zur Vorbeugung

Gegen Hepatitis B gibt es eine Schutzimpfung. Sie steht auf der Liste der empfohlenen Schutzimpfungen des Bundesministeriums für Gesundheit.

HPV

Beschreibung

Humane Papillomviren sorgen für ein unkontrolliertes (tumorartiges) Zellwachstum. Als Folge bilden sich an der betroffenen Stelle Feigwarzen. Sie können auch direkt auf dem Geschlechtsorgan entstehen. Da sie sich rasend schnell ausbreiten, sind sie vor allem ein ästhetisches Problem. Sie begünstigen allerdings auch die Entstehung von Krebs an der betroffenen Stelle.

Übertragung und Risiken

Die Viren werden durch Schmierinfektion über die Schleimhäute und feinste Risse in der Haut bei direktem Kontakt übertragen. Kondome schützen am wirksamsten, aber es verbleibt immer noch ein hohes Ansteckungsrisiko. Eine Ausbreitung wird auch durch eine Intimrasur oder der gemeinsamen Benutzung von Unterwäsche oder Handtüchern gefördert.

Tipps zur Vorbeugung

Gegen dieses Virus gibt es eine Schutzimpfung. Auf eine Intimrasur kann verzichtet werden, um das Ansteckungsrisiko zu minimieren.

Syphilis

Beschreibung

Eine Infektion mit diesen Bakterien verläuft in vier Phasen.

In der ersten Phase bilden sich etwa 10 bis 30 Tage nach der Infektion Geschwüre an der Eintrittsstelle und die benachbarten Lymphknoten schwellen an. Aus dem Geschwür tritt eine klare Flüssigkeit aus, die stark ansteckend ist. Diese schmerzlose erste Phase klingt nach einigen Wochen von selbst wieder ab.

Bei der zweiten Phase, die einige Wochen später beginnt, breitet sich die Krankheit über den ganzen Körper aus. Hautausschläge und Entzündungen der Schleimhaut sind die Folge und werden begleitet von beispielsweise Muskelschmerzen, Haarausfall, Erbrechen, Kopfschmerzen oder Fieber.

Der zweiten Phase folgt eine mehrjährige Latenzphase, in der gar keine Symptome auftreten.

In der dritten Phase ist der Körper bereits von gummiartigen Knoten durchsetzt, die tödliche Aneurysma verursachen können. Etwa zehn bis zwanzig Jahre später treten während der letzten Phase schwere neurologische Schäden auf. In manchen Fällen führt die Krankheit zum Tod.

Übertragung und Risiken

Syphilis wird durch Kontakt der Schleimhäute beim Geschlechtsverkehr übertragen. Besonders gefährdet sind Männer bei ungeschütztem Sex mit einem gleichgeschlechtlichen Partner.

Tipps zur Vorbeugung

Eine Impfung gibt es leider nicht. Daher ist der einzig wirksame Schutz der Verzicht auf Sex oder das Kondom.

Schlusswort

Diese Übersicht über die Geschlechtskrankheiten sollte einen Überblick über die Gefahren und Risiken liefern und vor allem verdeutlichen, wie wichtig Schutz beim Sex ist.

Leider geht der Trend immer weiter dahin, weniger statt häufiger Kondome zu verwenden. In den 90er Jahren bestand (auch durch das Ableben prominenter Beispiele) eine beinahe hysterische Angst vor HIV. Als Ergebnis wurden Kondome verwendet, wie noch nie zuvor.

Heute erscheint das Monster HIV für viele Menschen gezähmt und man geht sorgloser mit Geschlechtskrankheiten um. Über die weiteren Krankheiten und deren Gefahren ist man sich meistens nicht bewusst.

Dieser sorglose Umgang hat auch zur Folge, dass sich selten gewordene Krankheiten wie Syphilis wieder stärker ausbreiten können. Eine Aufklärung ist daher besonders bei Jugendlichen sehr wichtig. Nur so können sie sich selbst und andere davor schützen.

Referenzen

http://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/S/STI/STD.html

http://www.uniklinikum-essen.de/fileadmin/user_upload/Hautklinik/Fuer_Studenten/2013_09_18_STD.pdf

http://www.cdc.gov/std/prevention/

http://www.mayoclinic.org/diseases-conditions/sexually-transmitted-diseases-stds/basics/prevention/con-20034128

https://en.wikipedia.org/wiki/Sexually_transmitted_infection